Vogel von Falckenstein - Koblenzer Fernmelder

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Vogel von Falckenstein

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General der Infanterie Vogel von Falckenstein

Friedrich Karl Ernst Eduard Vogel von Falckenstein.

Vater: Hannibal, Major und Kommandeur eines National Bataillons in Schlesien. Ritter des Ordens Pour le Merite – geboren am 25.März 1750 zu Münsterberg – gestorben am 25. September 1808 zu Cosel.

Mutter: Charlotte Helene geborene Graetz, geboren 1769 zu Breslau, gestorben am 05. November 1835 zu Breslau.

Geboren am 05. November 1797 zu Breslau.

Gymnasium zu Breslau, am 14. März 1813 als Freiwilliger Jäger im 1. Westpreußischen Grenadierbataillon.
Zum 11.08.1813 Portepeefähnrich im 1. Westpreußischen InfRgt Nr. 6, und zum 08.12.1813 Sekondelieutenant
1813/1814 Feldzug: Schlacht bei Gross – Görschen, Bauten, Laon, an der Katzbach, Gefechte bei Potschaplitz, Bischofswerda (EK II), Chateau Thierry, Montmirail, Mery, Blockade von Vitry (russ. Georg – Orden V.)

14.10.1814 zum Kaiser Franz Grenadierregiment.
1818 zum Kongress nach Aachen.
30.03.1821 Premierlieutenant.
Von 1822 bis 1824 kommandiert zum Topographischen Büro.
Am 01.03.1827 wird er für 6 Monate zum Großen Generalstab kommandiert.
28.05.1829 Erlaubnis zur Heirat.
12.10.1829 Kapitän und Kompaniechef im Kaiser Franz Grenadierregiment.
1839/1840 Anlage der alten Schießstände in der Hasenheide.

26.03.1841 Major und etatmäßiger Stabsoffizier.
22.03.1843 Kommandeur des 1. Bataillons.

Bild: Portrait General Falckenstein

18.03.1848 Teilnahme an den Straßenkämpfen in Berlin. Später Teilnahme am Feldzug gegen Dänemark: Schlacht bei Schleswig, (Roter Adler Orden III mit Schwertern).

24.08.1848 Kommandeur des Gardeschützen Bataillons.

19.11.1848 Beförderung zum Oberstlieutenant.
04.05.1850 Chef des Generalstabes III Armeekorps.

19.04.1851 Beförderung zum Oberst.

Am 27.07.1852 Reise in Begleitung Wrangels nach St. Petersburg.

01.05.1855 Kommandeur der 5. Infanteriebrigade.
12.06.1855 Kommandeur der 3. Gardeinfanteriebrigade.

Am 12.07.1855 Beförderung zum Generalmajor.

01.09.1855 Verleihung des „Roter Adler Orden II mit Schwertern am Ringe.
10.04.1856 zur Verfügung des Kriegsministers.
08.06.1856 Groß Komturkreuz des oldenburgischen  Haus und Verdienstordens.

26.06.1856 Direktor des Militär Ökonomie Departements.

24.10.1857 russ. Stanislaus Orden I.

03.07.1858 Kommandeur der 5. Division

22.11.1858 Beförderung zum Generalleutnant.

03.10.1859 Stern zum Roten Adler Orden II mit Schwertern am Ringe.

Zum 09.01.1861 an die Höfe von Stuttgart, Darmstadt und Nassau gesandt, um die Thronbesteigung König Wilhelm I anzuzeigen.

07.02.1861 Österr. Eiserne Krone

16.02.1861 Großkreutz des würt. Friedrich Ordens, des hessischen Verdienstordens Phillips des Großmütigen mit Schwertern und des herzogl. Nassau. Verdienstordens Adolfs von Nassau.

11.06.1861 kommandiert zur Vertretung des Prinzen Friedrich Karl als Kommandierender General des III Armeekorps, während dessen Erkrankung.
18.10.1861 Roter Adler Orden I mit Eichenlaub.

07.11.1861 Großkreutz des sächs. Albrecht Ordens.

29.01.1863 Kommandeur der 2. Garde Division.

14.03.1863 Kronen Orden I zum 50. Jährigen Dienstjubiläum.

08.07.1863 zur Begleitung des spanischen Feldmarschalls O`Donell, Herzog Tetuan, kommandiert bei der Besichtigung der Truppen in Berlin.

15.12.1863 Chef des Generalstabes des Oberkommandos der Exekutionsarmee gegen Dänemark.

09.01.1864 unter Belassung in dieser Stellung zu den Offizieren von der Armee – 1864 Feldzug Düppel – Alsen.
22.04.1864 Orden Pour le Merite

30.04.1864 Oberbefehl über die unter den Generalen von der Mülbe und Graf Münster in Jütland stehenden beiden Divisionen, führt zugleich während der Erkrankung des Generals von der Mülbe die kombinierte Garde Infanteriedivision, erhält den Rang als Kommandierender General.

07.05.1864 meckl. – schwerin. Militär Verdienstorden.

17.05.1864 Großkreutz des österr. Leopold Ordens mit der Kriegsdekoration.
24.06.1864 Militärgouverneur von Jütland

14.11.1864 Schwerter zum Kronen Orden I.
22.11.1864 Kommandierender General des VIII Armeekorps

Am 08.06.1865 Beförderung zum General der Infanterie

30.06.1865 Schaumburg – Lippische Militär Verdienst Medaille
03.07.1866 Führer der Mainarmee, Gefechte bei Dermbach, Hammelburg, Laufach, Aschaffenburg, Besitznahme von Frankfurt am Main.

11.07.1866 Generalgouverneur der unter Preußischer Verwaltung stehenden Teile des Königreich Böhmen.

03.08.1866 Großkreutz des Roter Adler Ordens mit Eichenlaub und Schwertern
07.09.1866 wieder Kommandierender General des VIII Armeekorps.
20.09.1866 Chef des InfRgt Nr. 56,
30.10.1866 Kommandierender General des I. Armeekorps.
25.12.1867 genehmigt die Wahl als Vertreter der Stadt Königsberg beim Norddeutschen Reichstag anzunehmen.

04.08.1868 zu den Offizieren von der Armee.
18.07.1870 Generalgouverneur im Bezirk des I., II., IX. und X. Armeekorps
08.04.1871 Ritter des Hohen Orden vom Schwarzen Adler
27.12.1873 in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension zur Disposition gestellt, wird als Chef des InfRgt Nr. 56 in den Listen weitergeführt.

Gestorben am 06.04.1885 zu Dolzig (Kreis Sorau) – Herr auf Dolzig.

Am 09.04.1829 heiratet er Lucie Wilhelmine Julie Gärtner, zu Haseloff (Kreis Zauch – Belzig), Tochter des Kaufmanns und Eigentümers August Gärtner zu Berlin, geboren am 21.01.1813 zu Berlin, gestorben am 24.08.1892 zu Dolzig.

Kinder:

  • Marie, geboren am 10.01.1830 zu Berlin, heiratete am 19.10.1847 zu Berlin, Theodor Friedrich Bernhard Trützschler von Falckenstein, Oberstleutnant, zuletzt Bezirkskommandeur des Reserve Landwehr Bataillon Glogau Nr. 37.


  • Emma Louise Amalie, geboren am 25.07.1831 zu Berlin


  • Kuno Eduard August Hannibal, geboren am 21.02.1833 zu Berlin


  • Kunibert Eduard August Hannibal, geboren am 20.11.1834 zu Berlin


  • Eduard August Hannibal Eugen Melchior Egbert 07.01.1837 zu Berlin gestorben am 01.10.1904 zu Strassburg im Elsass, stand zu letzt im Dienste Österreichs.


  • Maximilian Eduard August Hannibal Sigismund Kunz geboren am 29.04.1839 zu Berlin, preußischer General der Infanterie, Chef des Ingenieur und Pionierkorps.


  • Luise Henriette Helene Gertrud geboren am 02.05.1843 zu Berlin.

Bild: Wappen III. Korps


Quellen:

Von Goertzke, Offizierstammliste des Kaiser Franz Garde Gren Rgt Nr. 2
Generalstabswerk 1864
Generalstabswerk 1866
Zernin General von Goeben
Militärwochenblatt 1885, 37.
Hermann Granier Feldzug  1864
Goeben, der Feldzug der Main Armee 1866
Von Sybel, Begründung des Deutschen Reiches
Freiherr von der Wengl, Kriegsereignisse zwischen Preußen und Hannover 1866 Gotha 1866.



Bild Falckenstein: Berlin Hohenzollernmuseum, Sammlung der Ritter des Schwarzen Adler Ordens.



Vita:

Nach Besuch der Schule zu Breslau bestimmte die Mutter, da der Vater früh verstorben war, den jungen Falckenstein zum Geistlichen. Da erschien der Aufruf des Königs „An mein Volk“ und Falckenstein setzte es durch das er als Freiwilliger Jäger in das Westpreußische Grenadierbataillon eintreten konnte. In der Schlacht bei Groß Görschen erhielt er die Feuertaufe, bei Bautzen einen Streifschuss, an der Katzbach und bei Bischofswerda zeichnete er sich durch kühne Entschlossenheit so aus das er mit 16 Jahren Sekondelieutenant wurde
Einer seiner Hauptehrentage wurde 1814 das Gefecht bei Montmirail. Fast alle Offiziere seines Bataillons waren gefallen oder verwundet. Da sprang der junge Vogel von Falckenstein vor die Front und führte ruhig und sicher die zurückgehenden Kompanien in eine neue Stellung.
Nach dem ersten Pariser Frieden kam er zu dem neu gebildeten Kaiser Franz Grenadierregiment, und damit begann für Ihn eine lange Friedenszeit, die er aber fleißig zur geistigen Fortbildung nutzte. Als er seine Kompanie führte, erkannten seine Vorgesetzten den klaren Verstand und den festen Willen und bemerkten in Ihm die Anlagen zu einem großen soldatischen Führer. Besonders bildete er sich im Zeichnen aus und leistete auf dem Gebiet der Glasmalerei Hervorragendes. Außerdem stammt von Ihm eine 1829 erschienene vorzügliche topographische Karte der Gegend um Berlin im Maßstab 1:25000. Nachdem er das Kommando des I. Bataillons des Kaiser Franz Garderegiments übernommen hatte, berichtet im Jahre 1843 sein Regimentskommandeur Oberst von Hirschfeld über ihn:
„In der kurzen Zeit, seit welcher dem Major Falckenstein das Kommando des I. Bataillons übertragen ist, habe ich nur Grund zur vollkommenen Zufriedenheit mit den Leistungen desselben gehabt, so das die früher ausgesprochenen sehr günstigen Erwartungen hinsichtlich seiner persönlichen Brauchbarkeit für ein höheres Verhältnis als ganz gerechtfertigt erscheinen. Militärischer Überblick, Gewandheit und praktische Dienstkenntnisse, sowie eine allgemeine wissenschaftliche Bildung gestatten ihm eine sehr günstige Einwirkung auf seine Untergebenen und erleichtern ihm das Bestreben, das ihm anvertraute Bataillon in der Ausbildung und der inneren Ordnung auf dem bisher eingenommenen Standpunkt zu erhalten, so dass die Zukunft desselben als völlig gesichert angenommen werden darf. Eigent sich zur Beförderung in seiner Tour“.

Der Prinz von Preußen aber sagte im Jahre 1846:

„Sehr diensterfahrener umsichtiger, zuverlässiger Stabsoffizier, von mehrfacher wissenschaftlicher Bildung. Er bewährt sich durchaus als Bataillonskommandeur und verspricht recht viel, daher außer der Tour zu befördern“.

Beim Straßenkampf in Berlin 1848 wurde Falckenstein durch einen Steinwurf verletzt, eine Pistolenkugel prallte an der Schuppenkette seines Helmes ab. Den Arm noch in der Binde, führte er am 06.04.1848 sein Bataillon von Spandau aus ins Feld nach Schleswig – Holstein. In dem Gefecht bei Schleswig am ersten Osterfeiertage (23.04.) griff er mit seinen Kompanien bei dem Angriff auf die Vorstadt Friedrichsburg entscheidend ein und erhielt als Auszeichnung für sein tapferes Verhalten den Roten Adler Orden III mit Schwertern. Nach der Rückkehr aus Schleswig zum Kommandeur des Garde Schützenbataillons ernannt, musste er mit diesem sowie 3 Schwadronen des 3. Husarenregiments die Unruhen in der Niederlausitz unterdrücken. Obgleich er bisher nur kurz im Generalstab gewesen war, wurde Vogel von Falckenstein 1850 Chef des Generalstabes des III Armeekorps bei Wrangel, den er in den folgenden Jahren auf mehreren Reisen begleitete, so 1852 zu den großen russischen Truppenübungen nach St. Petersburg. Im Jahre 1851 wurde er zum Oberst befördert; im Jahre 1855 übertrug ihm der König zunächst das Kommando der 5. Infanteriebrigade in Stettin und dann das der 3. Garde Infanteriebrigade, und beförderte ihn zum Generalmajor. Zwei Jahre wirkte Falckenstein dann als Departementsdirektor im Kriegsministerium, um nach Ablauf dieser Zeit als Generalleutnant das Kommando der 5. Division in Frankfurt / Oder zu übernehmen.
Nachdem er diese über vier Jahre geführt hatte, wurde er nach Berlin zurückgeholt als Kommandeur der 2. Garde Infanteriedivision. Als Ende 1863 dem Generalfeldmarschall von Wrangel das Oberkommando der Exekutionsarmee gegen Dänemark übertragen wurde, wurde Falckenstein sein Chef des Generalstabes. Damit kam er in eine äußerst schwierige Stellung; denn der 80jährige Wrangel besaß nicht mehr die geistige und körperliche Kraft, um eine derartige Stelle auszufüllen. Er war verbraucht, ließ sich aber von niemanden etwas sagen. Falckenstein hatte die schwersten Auftritte mit ihm und hat unter Aufbietung seiner Kräfte vieles verhindert. Erst, als der Kronprinz dem Hauptquartier Wrangels zugeteilt wurde, besserten sich die Dinge. Als dann Moltke am 30.04.1864 selbst die Geschäfte als Chef des Generalstabes beim Oberkommando übernahm, wurde Falckenstein Gouverneur von Jütland, das die beiden preußischen Divisionen Mülbe und Graf Münster bereits besetzt hatten.
Er erhielt außerdem vom König Wilhelm I. folgende Anweisung: „Ich habe in Gemeinschaft mit des Kaisers von Österreich Majestät beschlossen, das die Regierende Gewalt über Jütland nunmehr namens der verbündeten Mächte ausgeübt, die Steuern und Abgaben für Rechnung der Alliierten erhoben und die Hilfsquellen des Landes für Kriegszwecke im vollem Umfang nutzbar gemacht werden. Ich will Sie mit der Verwaltung des Landes in vorstehender Weise unter Beibehalt ihres bisherigen Kommandos beauftragen und werden ihnen die näheren Instruktionen durch den Oberbefehlshaber der alliierten Armee resp. die betreffenden Minister zugehen, an welche letztere Sie ihre Anträge auf Überweisung der erforderlichen Ziviladministration und Steuerbeamten zu richten haben.
Karlsbad 24.06.1864.

Am 14.07.1864 ließ Falckenstein auf dem Leuchtturm von SKAGEN die Flaggen der Verbündeten: schwarz – weiß und schwarz – gelb aufziehen. Mustergültig verwaltete er das besetzte Land, streng und bestimmt, dabei aber durchaus gerecht. Kennzeichnend für die Achtung, die er sich beim Gegner dadurch erwarb, sind die Worte in einem Abschiedsbrief eines dänischen Ministers, als Falckenstein das Land verließ.


„Sie sind als Feind in unser Land gekommen, und ihre Hand hat schwer auf uns gelastet, dennoch drängt es mich, Ihnen zu danken, das Sie durch Gerechtigkeit und durch die Haltung Ihrer Truppen die schweren Leiden des Besiegten zu mildern beflissen waren. Die Geschäfte der Regierung habe ich in solcher Ordnung aus Ihren Händen zurück bekommen, das ich nur wünsche, sie in derselben meinem König zu erhalten“.

Falckenstein wurde General der Infanterie, erhielt den Orden Pour le Merite, andere hohe Auszeichnungen und wurde zum Kommandierenden General des VII. Armeekorps in MÜNSTER ernannt. Jedoch nur kurz sollte die Friedenszeit dauern. Bei Beginn des Feldzuges von 1866 übernahm Vogel von Falckenstein das Kommando der Main – Armee.

Unter seinem Befehl standen:

1. Division Goeben (14 300 Mann)
2. Manteuffel  (14 100 Mann), und
3. 19 600 Mann der Besatzungen von Frankfurt a.M. und Mainz unter General von Beyer.

Zusammen also hatte die Main Armee eine Stärke von rund 48 000 Mann. Der erste Feldzug des Generals gegen die hann. Armee, der mit der Kapitulation der Hannoveraner bei Langensalza endete, ist von den Militärschriftstellern mit Recht meist scharf getadelt worden. Die Falckenstein vom Großen Hauptquartier zugehenden Weisungen beachtete er einfach nicht, sondern hielt starr daran fest, sich um die Hannoveraner nicht zu kümmern und sich nach Süden gegen die süddeutschen Gegner zu wenden. Die Folge davon war, die preußische Niederlage bei Langensalza. Erst auf einen neuen scharfen Befehl von Berlin gelang die Umstellung der Hannoveraner und ihre Entwaffnung. Aber nicht Falckenstein sollte die Kapitulation abschließen, sondern sein Unterführer Manteuffel, was sehr zum Vorteil der Hannoveraner geschah, da Manteuffel wesentliche Punkte, die Falckenstein aufgesetzt hatte, zu ihren Gunsten abänderte. Nun war der Weg frei, sich gegen die süddeutschen Gegner zu wenden. In meisterhafter Weise verstand es Falckenstein, nacheinander die bayrische Armee und das VIII Bundeskorps zu schlagen, die einzeln schon stärker als er selbst waren. Dabei musste er seinen Truppen ungeheure Marschleistungen zumuten. Ob trotzdem der Mainfeldzug so günstig für die preußischen Waffen verlaufen wäre, wenn unter Falckenstein nicht so hervorragende Generale, wie vor allem Goeben, geführt hätten, ist eine offene Frage. Nach mehreren blutigen Gefechten konnte Falckenstein seinen Einzug in die alte Krönungsstadt der deutschen Kaiser, Frankfurt am Main, halten und König Wilhelm melden:

„Alles Land nördlich vom Main liegt zu den Füßen Eurer Majestät“.

Die überraschenden und glänzenden Erfolge der Main Armee über einen weit überlegenen Gegner , die stets frische Persönlichkeit Falckensteins, seine Milde gegen das besetzte Land und seine Sorge für die Soldaten, hatten ihn nun zu einer volkstümlichen Person gemacht. Umso größer war seine Überraschung, als er einen Tag nach dem Einzug in Frankfurt zum Generalgouverneur von Böhmen ernannt wurde. Einige Schriftsteller behaupten das Intrigen von Manteuffel daran schuld waren, der für Falckenstein die Main Armee übernahm. Zu beweisen ist dies nicht, fest steht aber, dass das große Hauptquartier und vor allem Moltke mit der Führung des ersten Teil des Feldzuges gegen die Hannoveraner im höchsten Grade unzufrieden waren, weil Falckenstein wiederholt gegen Moltkes Weisungen verstoßen und sie nicht beachtet hatte.

Die Tätigkeit Falckensteins in Böhmen war nur kurz. Er übernahm nach Friedensschluss wieder sein Korps in Münster und wurde Chef des Inf Rgt Nr. 56, das nach seinem Tode seit dem 27.01.1889 bis 1918 seinen Namen führte. Als Dotation erhielt er das Gut Dolzig bei Sommerfeld.

Im Jahre 1867 wurde er nach Königsberg versetzt und übernahm das Generalkommando des I. Armeekorps. Um die Jahreswende 1867/1868 herrschte in Ostpreußen großer Notstand, und Falckenstein wurde angewiesen von sich aus Bericht zu erstatten über die vorhandenen Vorräte an Roggen und Kartoffeln und Vorschläge zur Hilfe für die notleidende Bevölkerung zu machen. Im Jahre 1868 zu den Offizieren von der Armee versetzt, erhielt Falckenstein bei Beginn des Feldzuges von 1870 den Oberbefehl über alle mobilen und immobilen Truppen im Bereich des I. II. und IX. Armeekorps.

Damit war der Schutz der gesamten deutschen Küste ihm übertragen. Sehr scharf griff er gegenüber französischen Offizieren durch, die sich als Gefangene nicht benahmen. Ebenso scharf und entschieden ging er aber gegen alle Bewegungen vor, die im Wiederspruch zu den Staatseinrichtungen und den Absichten der Regierung standen. Er ließ die Häupter der Sozialdemokratie festsetzen, die damals als Teil der Internationalen Arbeiter – Organisation von London aus geleitet wurde.
Der Sektion von Deutschland stand Karl Marx als Sekretär vor. Ein Ausschuss von 5 Personen, mit dem Sitz in Braunschweig, leitete die gesamten Geschäfte, organisierte die Lokalvereine, zog die Beiträge ein, verfasste Flugschriften und Reden. Neben diesem Ausschuss bestand eine Kontroll - Komission unter Führung des Buchhändlers Leib in Hamburg.

Über die Haltung der Partei dem überraschend ausgebrochenem Kriege gegenüber waren sich die Führer anfangs nicht einig. Bald aber erschien eine kleine Schrift, die, zur Verbreitung unter den Soldaten bestimmt, den Treuebruch predigte und die Vertreibung der Fürsten als besonders verdienstvoll schilderte. Auch trat der Ausschuss in Braunschweig öffentlich dafür ein, das die Völker im Rücken der beiden Heere eine ernstlich drohende Haltung einzunehmen hätten, die sich durch keinen Belagerungszustand niederhalten ließe, dann würden die kriegführenden Fürsten gezwungen, Frieden zu schließen, um alle ihre Streitkräfte gegen den Feind im Inneren zu kehren. Die in einem Briefe eines anderen Führers ausgesprochene Erwartung, „das auf die Siege der Deutschen bald die Siege der Franzosen“ folgen würden, die Verspottung der deutschen Bewegung als „elende Deutschtümelei“ und ähnliches fand nur geringen Wiederspruch. Allem aber setzte das Manifest an die deutschen Arbeiter vom 05.09.1870 die Krone auf. Vogel von Falckenstein war nicht der Mann, dies ruhig mit anzusehen. Braunschweig unterstand ihm, er griff durch.

Ein derartiges verräterisches Treiben im Rücken der kämpfenden Truppen mit der Aufforderung, dass das deutsche Volk die deutschen Regierungen zu einem für die französische Republik günstigen Frieden zwingen müsse, konnte nur die Franzosen unzweideutig zu fernerem Wiederstande ermuntern. Vorgänge, wie wir sie im Weltkriege 1914/1918 wieder erleben mussten, nur damals 1870 der Mann vorhanden war, der diese Verräter sofort unschädlich machte. Falckenstein ließ als verantwortlicher Generalgouverneur alle Rädelsführer in Lötzen internieren. In gleicher Weise ging er gegen den welfischen Agitator, Pastor Grothe, vor. Diese Maßnahmen fanden in ganz  Deutschland lebhafte Zustimmung. Sie bewiesen, dass Männer vorhanden waren, die auch gegenüber dem Feinde im Rücken der fechtenden Truppen die Augen offen hielten. Deutschen Gerichten blieb es vorbehalten, eine andere Meinung zur Geltung zu bringen. Nach Friedensschluss verklagten die wieder in Freiheit gesetzten sozialistischen Führer den General von Falckenstein auf Schadenersatz. Das Gericht zu Braunschweig erkannte die Klage nicht nur an, sondern kam zu dem seltsamen Spruch:

„ Für die Maßnahmen des Generals hätte es doch erst zu einem bedrohlichen Heraufziehen des Kriegsgewitters gekommen sein müssen. Andererseits stützte sic das Urteil darauf, dass der Generalgouverneur vor der Verhaftung der Rädelsführer von seiner Befugnis, die bezüglichen Verfassungsartikel außer Kraft zu setzen, keinen Gebrauch gemacht habe.“

So verurteilten deutsche Gerichte den General zu einer nicht unerheblichen Entschädigung und zur Tragung der Kosten. Ein Vorgang der mit Recht einen Sturm der Entrüstung hervorrief und für die traurigen Zustände der deutschen Rechtssprechung damals trotz des siegreichen Krieges bezeichnend ist.

Nachdem Vogel von Falckenstein im Jahre 1873 aus dem Dienst geschieden, lebte er die letzten Jahre auf seine Besitzung Dolzig. Bis zu seinem Tode war er körperlich und geistig frisch, ein treuer Diener des Vaterlandes, ein geistvoller Mann, kunstsinnig, von vielseitigem Wissen, ein selbstloser energischer, aber stets von großem Wohlwollen geleiteter soldatischer Führer.

Erstellt für die Homepage der Kameradschaft der Fernmelder Koblenz/Lahnstein e.V. von HptFw Gerd Sikorski.

Zur Erhaltung der Tradition und im Gedenken an den Namensgeber der „Falckensteinkaserne“ in Koblenz.

 
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